Und manchmal sind mir hierfür die Titel der Fernsehsendungen viel wichtiger als der Inhalt. Heute zum Beispiel – die angeblich romantische Komödie “Noch einmal 20 sein …” um 20 Uhr 15 auf der ARD. Ist bestimmt Mumpitz. Herzschmerz, Rotz und Wasser heulen und so weiter und so fort.
Aber noch einmal 20 sein! Wäre doch super. Nächste Woche werde ich 29 Jahre alt.
Jedes Jahr derselbe Mist. Immer werde ich älter, dabei fühle ich mich noch eingermaßen jung. Und bin ich das? Jung? Ein Blick in den Spiegel. Noch ein Blick in den Spiegel. Und noch einer.
I pack my case. I check my face.
I look a little bit older.
I look a little bit colder.
Alles trivialer Kram, der einem einfällt, wenn einem wieder einmal bewusst wird, dass man nicht ständig verdrängen kann, wie alt man bereits geworden ist. Und Nasenhaare habe ich jetzt auch schon.
Freitag, 18. Mai 2007
Donnerstag, 17. Mai 2007
Ich wandere einen Berg hinauf, und dann wandere ich den Berg wieder hinunter, weil ich mich verlaufen habe. Eine unglaublich abgegriffene Metapher eigentlich auf das Leben und den ganzen Rest, aber so ist es nun einmal manchmal, das Leben: abgegriffen nämlich, und man verläuft sich hin und wieder auch in irgend etwas.
Heute läuft um 23 Uhr 15 der Spielfilm “Was nützt die Liebe in Gedanken” auf dem ZDF, der sich so anhört, als wenn er sehr empfehlenswert sein könnte. Zwei Männer suchen darin laut Filmbeschreibung den “höchsten Punkt im Lebens.”
Auf den höchsten Punkt des Berges bin ich nicht angelangt – aber ich bin ja auch noch jung, nicht wahr?
Mittwoch, 16. Mai 2007
Ich sehe ins Fernsehprogramm und finde – nicht. Nichts Interessantes, was man heute anschauen könnte. Ich sehe genauer hin und finde – natürlich wieder einmal Fußball. Das Finale des “Uefa Cups” auf Sat 1. Natürlich.
Wenn Fußball ist, ziehen die anderen Fernsehprogramme die Köpfe ein. In Deckung! Die Zuschauer werden eh Sport gucken und nicht uns, werden sie sich denken. Früher hatte ich ebenfalls Angst vor Bällen, und diese Angst habe ich heute glaube ich immer noch, ich komme nur nicht mehr in die ungünstige Lage, Fußball spielen zu müssen, so wie ich es beim Schulsport tun musste.
Wunderbar, dass die Schulzeit vorbei ist, jetzt muss ich mich wenigstens nicht mehr vor riesigen, gefährlichen und blaue Flecken verursachenden Bällen in Acht nehmen.
Dienstag, 15. Mai 2007
Tausend Belanglosigkeiten ergeben noch lange keine Substanz. Das gilt für dieses hingekrickelte Halbgare hier, und für das Fernsehprogramm gilt es sowieso.
Altbekannte Gesichter.
Altbekannte Geschichten.
Altbekannter Fernsehalltag.
Schön eigentlich. Ich mag das Belanglose, das meistens jedoch ziemlich unterhaltsam und ziemlich spannend ist. “Dr. House” um 21 Uhr 15 auf RTL zum Beispiel. Oder direkt danach “Monk”. Das ist belanglos, aber großartige Fernsehunterhaltung. Oder “Extreme Activity” um 20 Uhr 15 auf Pro Sieben: Belanglos, kindergeburtstagig, aber trotzdem grimmepreisig – und unterhaltsam.
Manchmal sind tausend Belanglosigkeiten besser als irgend etwas, was vorgibt, Substanz zu besitzen.
Montag, 14. Mai 2007
Meiner Freundin habe ich versprochen, irgendwann einmal eine Tanzschule mit ihr zu besuchen. Ich kann nämlich nicht tanzen, zumindest nicht die Grundtanzschritte. Walzer. Cha cha cha. Und so weiter und so fort.
Eigentlich glaube ich von mir, dass mir dafür auch das entsprechende Rhythmusgefühl fehlt, aber ich würde es erst einmal ausprobieren wollen, bevor ich weinend in der Ecke sitzen würde, weil ich ihr zum x-ten Mal auf die Füße getreten sein werde und es absolut nicht hinbekommen würde. Vielleicht bin ich aber auch ein geborener Tänzer und weiß es nur noch nicht, weil ich es noch nie ernsthaft ausprobiert habe.
Ich bin gespannt, wie die prominenten Tänzer heute um 20 Uhr 15 bei “Let´s dance” auf RTL versagen werden.
Sonntag, 13. Mai 2007
Ach, was wäre die Welt ohne Allmachtsfantasien? Einmal Gott sein und alle Macht der Welt besitzen! Tun und lassen können, was man wollte. Einmal zeigen, wer die Hosen an und wer das Sagen hat.
Ich wollte, ich könnte mein Schicksal beeinflussen, aber meistens hat das alles doch eh nur mit Zufall zu tun. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, mehr ist es doch nicht, was über unser aller Leben entscheidet. Und manchmal war ich halt zur falschen Zeit am falschen Ort, aber so ist das nun einmal meistens.
Ach, was wäre die Welt ohne Allmachtsfantasien? Heute läuft um 20 Uhr 15 “Bruce Allmächtig” auf RTL – und gut, dass einem dieser Film zeigt, was Allmachtsfantasien alles anrichten könnten, wenn man sie tatsächlich in die Tat umsetzen könnte.
Samstag, 12. Mai 2007
In China essen sie Hunde, und im Iran könnten bald Atomkraftwerke und / oder -bomben stehen, wer weiß das schon so genau. Manchmal wünschte ich mir, ich würde mich nicht nur nicht für Medien in aller Form interessieren, sondern ebenfalls nicht für Politik. Manchmal wünschte ich, ich würde von diesem ganzen erschreckenden Mist überhaupt nichts wissen.
Manchmal wäre ich gerne ignoranter. Politik?, würde ich mich fragen, und ich würde mir antworten: Interessiert mich nicht. Keine Ahnung, wer gerade Kanzlerin ist.
Heute Abend werde ich übrigens ohne Probleme den Film “Nuklear-Anschlag: Die Bombe im Atomkraftwerk” auf RTL2 ignorieren.
Freitag, 11. Mai 2007
Heute werde ich wieder für ein paar Stunden in einer Bahn sitzen und die Fahrt hoffentlich genießen. Ja, tatsächlich: Ich mag es, Bahn zu fahren, und natürlich liegt die Ursache auch dort wieder einmal in meiner Mediensucht.
Gut, in einem ICE könnte ich “Bahn TV” sehen, aber das könnte ich auch im Internet. Nein, es ist die – manchmal wenigstens – vorhandene Ruhe, in der ich einen Roman, eine Zeitschrift oder eine Zeitung lesen kann.
Ganz in, ja, Ruhe.
Ich muss nicht plötzlich denken, was ich denn jetzt Interessantes im Internet ersurfen könnte, muss nicht hyperaktiv vom Fernseher zum Radio zur Zeitschrift zum Internet springen, weil ich Angst haben müsste, irgend etwas zu verpassen, sondern kann mich ganz gemütlich einem einzigen Medium aussetzen.
Heute werden es die “NZZ Folio” zum Thema “Das Dorf” und die aktuelle “Vanity Fair” sein.
Ach, was liebe ich das wunderbare Bahnfahren. Und was liebe ich unterhaltsame Zeitschriften.