auftrag medien. alles inklusive.

von Till Frommann







Kolumne: Wirtschaftlich denkende Tauben

Die Tauben werden immer frecher. Ich habe einen kleinen Balkon mit Richtung zum Hinterhof. Ganz gemütlich eigentlich, um dort einige entspannende Stündchen zu verbringen. Um zu dösen. Um Zeitung zu lesen. Auch die Tauben scheinen meinen Balkon zu lieben. weiter

Kolumne: Singsang in der Sauna

Es nervt, dabei soll man sich an diesem vermeintlichen Ort der Muße, diesem Tempel der geistigen und körperlichen Entschlackung, einfach gehen lassen können. Doch es geht nicht, es ist schrecklich. . weiter

Montag, 16. Juli 2007

Oh. Überraschung. Wieder neue Folgen einer unterhaltsamen Serie, von der ich bisher leider nur die erste Staffel gesehen habe – nämlich von “4400 – Die Rückkehr” (Pro Sieben, 20 Uhr 15).

Jetzt also die dritte Staffel. 4400 Menschen wurden in verschiedenen Zeiten von Außerirdischen entführt und irgendwann gleichzeitig wieder freigelassen. Jetzt haben sie seltsame Fähigkeiten. Das klingt, natürlich, wieder nach Trash, aber die erste Staffel war wunderbar spannend. Ich müsste nun also nur noch die zweite Staffel nachholen, aber bis dahin sind die aktuell laufenden Folgen wahrscheinlich längst wieder vorbei. Und ich müsste sie nachholen.

Nicht, dass Fernsehen zur Sucht werden könnte.

Sonntag, 15. Juli 2007

Heute läuft auf VOX um 20 Uhr 15 die Dokusoap “auf und davon – Mein Auslandstagebuch”. Darin geht es um Jugendliche, die für längere Zeit ihre Familien verlassen, um andere Länder unsicher zu machen.

Ich selbst führe ja an dieser Stelle ebenfalls ein Tagebuch. Es könnte heißen: “halt und hier geblieben – Mein Fernsehtagebuch.” Man würde in einer Dokusoap mit diesem Namen 120 Minuten lang sehen, wie ich vor dem Fernseher sitze und hin und her zappe und womöglich sogar dabei einschlafe. Sabber läuft mir aus dem Mundwinkel, und dabei schnarche ich laut.

Das brächte zwar keine großartige Einschaltquote, aber dafür ist es wahr. Das ist mein Leben.

Samstag, 14. Juli 2007

Gestern ist Freitag, der 13. gewesen. Gut, dass ich nicht abergläubisch bin, denn höchst wahrscheinlich wird gestern nichts passiert sein. Ob wirklich nichts geschehen ist (und ob dies womöglich ein Fernsehtagebucheintrag aus dem Jenseits ist) kann ich nicht sagen, weil heute für mich (in Echtzeit!) Montag, der 9. Juli ist. Alles vorproduziert. Alles eine Lüge mit dem Datum.

In dieser Woche habe ich nämlich vier Tage lang ein Seminar über Gerichts- und Polizeijournalismus gehabt. Oder werde gehabt haben. Und deswegen habe ich viel vorproduzieren müssen für dieses Fernsehtagebuch. Ob es gut gewesen ist? Keine Ahnung. Denn, wie gesagt, heute ist für mich Montag, und das Seminar fängt morgen an. Oder, je nach Blickrichtung, vor vier Tagen. Und habe ich nicht schon einmal über dieses Zeitparadoxon geschrieben? Alles wiederholt sich. Ist halt so.

Man muss nur die Blickrichtung ändern, und schon stellt sich alles auf den Kopf. Und die Welt wird enger mit jedem Tag.

Den Film “Solaris” (Vox, 20 Uhr 15 und 1 Uhr 50) habe ich noch nie gesehen. Die Buchvorlage von Stanislaw Lem ist, natürlich und furchtbar trivial, diese Feststellung, in der Vergangenheit geschrieben worden und behandelt (denn es ist ein Science Fiction) die Zukunft. In der Verfilmung geht es um eine Forschungsstation in der Umlaufbahn des Planeten Solaris und tote Menschen, die plötzlich wieder erscheinen. Sagt meine Programmzeitschrift. Wahrscheinlich werde ich sowieso wieder nicht dazu kommen, den Film zu sehen. Wieder einmal leider.

Freitag, 13. Juli 2007

Ach, was soll es denn. Was soll ich mich winden, was soll ich es leugnen. Was soll ich mich beschweren? Bin ich ein Geek? Mal sage ich “Ja, natürlich!”, mal antworte ich mit “Was soll diese Unverschämtheit?”, mal ist es ein Sowohl-als-auch, ein Sind-wir-nicht-alle-ein-bisschen-geekig?

Jetzt, zum Wochenende hin, möchte ich deshalb Klarheit in dieses Thema bringen und mich denunzieren. Also: Ich bin ein Geek. Jetzt haben es alle schriftlich. Ich bin mit geschmacksverwirrenden Comics aufgewachsen, mit “Mad” und Alfred E. Neumann, mit Jan-Tenner-Kassetten, mit Otto Waalkes. Was also hätte anderes aus mir werden sollen? Na also.

Ganz so geschmacksverwirrt bin ich jedoch auch wieder nicht. Heute läuft viel Murks im Fernsehen, den ich trotz dieser Vorprägung niemals einschalten wollen würde: Auf dem SWR läuft um 20 Uhr 15 “Fröhlicher Alltag” mit den Musikern Judith und Mel, Maria Da Vinci, Reiner Kirsten und Angelo Borer. Ich weiß nicht einmal, ob das alles Musiker sind, aber ich gehe ganz stark davon aus, dass sie alle nicht musikalisch sind. Auf dem MDR öffnet die “Wernesgrüner Musikantenschenke”. Nur auf dem WDR läuft ein Lichtblick, nämlich “Glückwunsch, Alsmann!”, ein Porträt über Götz Alsmann. Der macht wenigstens gute Musik. Ach nein, der macht ja unter anderem auch Jazz, und Jazz ist doof, nur nicht ganz so doof wie Volksmusik.

Volksmusik! Wer das hört, ist ebenfalls geekig, frisst aber noch dazu kleine Kinder. Und das ist viel schlimmer, was beschwere ich mich eigentlich über mich?

Donnerstag, 12. Juli 2007

Ich betrete den Laden, und ein Schwall voller schweißgeruchgetränkter Luft weht mir entgegen. Der Laden ist unaufgeräumt, schmierig und nicht sehr einladend. Ich bleibe, trotzdem, in dem Etablissement, und ich halte mich mit den anderen Kunden (verpickelte Halbwüchsige!) viel zu lange in dieser luftverpesteten Drecksbude auf.

Leider bin ich selbst einer dieser verpickelten Hackfressen. Ich bin, zumindest in meiner Erinnerung, vierzehn Jahre alt. Wahrscheinlich war ich jedoch bis neunzehn, zwanzig Stammkunde in diesem Comicladen und habe mein halbes Taschengeld in diese Trivialkultur investiert. Mangas, Superman, Spider-Man, Batman, Preacher, Transmetropolitan. Comics von Alan Moore. Simpsons-Comics. Meine Güte, für dieses Geld könnte ich jetzt bestimmt sieben bis acht Mal in den Urlaub fahren.

Ich kann bestätigen, dass ich damals zu, sagen wir, 75 Prozent ein Geek gewesen bin und ich heute noch die Nachwirkungen dieses Konsums zu spüren kriege. Zu 100 Prozent normal bin ich nicht, und das will ich auch nicht sein. Geek möchte ich jedoch trotzdem nicht genannt werden. Ich bin halbwegs normal, nur manchmal ein ganz klitzekleines bisschen verschroben. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Mittwoch, 11. Juli 2007

Und noch einmal die anmaßende Frage: Ein Geek soll ich sein? Ich?

Ich schaue in meine Bücherregale. Viele Science-Fiction-Bücher. Okay, das spricht gegen mich. Eine etwas größere Comicsammlung. Ebenfalls nicht sehr entlastend. Kenne ich überhaupt Zeugen, die bestätigen würden, dass ich kein Geek, kein seltsamer Kauz, kein gottverdammter Kulturversager bin?

Gerade habe ich wieder damit angefangen, die Serie “Tom Strong” von Alan Moore zu lesen. Bösartige Swastika-Schwestern aus der Nazizeit versuchen, den Superhelden auszuschalten – indem sie ihn zurück in eine Epoche vor unserer Zeit (zurück zu den Dinosauriern!) zeitreisen lassen. Alan Moore hat im Übrigen auch die Comicvorlage zum lohnenswerten Film “V wie Vendetta” geschrieben. Unbedingt ansehen!

Und irgendwie sind es immer dieselben Elemente, die mich begeistern: Zeitreisen, Zeitlöcher, Zeitfallen, Dinosaurier, großartige Einzeiler à la “Hasta la vista, baby”, dumpfe Handlungsstränge, bei denen man nicht nachdenken muss.

Anspruchsvolleres sehe ich natürlich auch, aber darum soll es hier im Moment nicht gehen. Sondern einzig und allein um die Frage: Bin ich ein Geek oder doch nur ein langweiliger, durchschnittlicher Normalsterblicher?

Keine Zweifel. Oder doch?