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von Till Frommann







TV lokal (2): „Tierrztin Dr. Mertens“

Pierre Grothmann sieht sich eine Folge der neuen Fernsehserie „Tierrztin Dr. Mertens“ an. Weil wir ihn darum gebeten haben. Weil wir wissen wollen, wie realistisch die Arbeit der fiktiven Fachfrau dargestellt wird. Grothmann ist Zoologischer Leiter und Tierarzt des Braunschweiger Zoos „Arche Noah“ und Tierarzt des „Tierpark Essehof“ im benachbarten Lehre. Er muss es beurteilen knnen, dachten wir uns.

„Dass so viele Tierpfleger und rzte eine Lwengeburt beobachten ist eher unglaubwrdig“, sagt Pierre Grothmann, der seit ber drei Jahren seinen Beruf ausbt. Zu Beginn der Folge „Alarm im Zoo“ sieht man vier Zoomitarbeiter, die bei dem Ereignis aufpassen – einschlielich Susanne Mertens, der fiktiven Fernsehkollegin von Grothmann, gespielt von Elisabeth Lanz. „Bei Lwengeburten geht seltener etwas schief“, sagt der 29-Jhrige. Schwieriger sei es hingegen bei Elefanten: Dort wrde es sinnvoll sein, wenn viele Pfleger und Tierrzte darauf aufpassen, dass auch wirklich alles glatt geht. „Es gibt noch nicht besonders viele Elefanten, die in Gefangenschaft geboren wurden“, sagt der echte, wirklich ausbende Tierarzt, „da soll alles glatt gehen.“ Allein schon aus wirtschaftlichen Aspekten: Zum Beispiel htten den Klner Zoo wegen des Dickhuternachwuchses Anfang diesen Jahres angeblich ber 250.000 Menschen mehr als sonst besucht. „Das sind mehr Besucher als unser Zoo im ganzen Jahr hat“, sagt Grothmann.

Auch wenn die „Arche Noah“ und der „Tierpark Essehof“, diese Zoos in Niedersachsen, eher klein sind, gibt es doch viel zu sehen und viel zu tun fr Pierre Grothmann: Etwa 700 Tiere betreut er, darunter Geparde, Zebras, Murmeltiere und Tiger, Zwergotter, Waschbren und Weibschelaffen, Straue, Kngurus und Paviane.

Einen kleinen Fehler entdeckt er bei der Lwengeburt im Fernsehen: Normalerweise halten die Neugeborenen etwa eine Woche lang ihre Augen geschlossen – nicht so jedoch bei „Tierrztin Dr. Mertens.“ Das Lwenbaby ist also „jung, aber nicht geburtsfrisch“.

Und wie untersucht man den Hinterkopf eines Affen, der vom Baum gefallen ist? Susanne Mertens wei einen Trick: Sie lenkt ihn ab, indem sie ihm eine Manschette an den Arm anlegt. „Die Manschette wird er natrlich loswerden wollen“, sagt die Fernsehfachfrau fr Verletzungen der tierischen Art. „Dann hat er zu tun und lsst seinen Hinterkopf in Ruhe.“ Pierre Grothmann hingegen wei nicht so recht: „Ich bin skeptisch, dass das in der Wirklichkeit funktionieren wrde“, sagt er. Andererseits msse man in der Zootiermedizin vieles ganz einfach ausprobieren, weil die Tiere alle ein sehr individuelles Verhalten htten. „Dieser Trick kann funktionieren, muss aber nicht“, sagt Grothmann.

Hin und wieder behandeln Humanmediziner Tiere – unter anderem untersuchen, so Grothmann, Zahnrzte mitunter das Gebiss von Affen. Realistisch also, dass in der Folge der Fernsehserie ein Kinderarzt die rettende Idee dafr hatte, wie der Hepatitisausbruch im Zoo entstanden sein knnte: Der Sugling eines Tierpflegers war unbemerkt daran erkrankt und hatte so die Orang-Utans angesteckt. Bei Suglingen, so der Kinderarzt, knnte dies fters so sein, ohne dass man etwas davon mitbekommt. Kann natrlich nur ein Facharzt wissen, ganz klar.

„Eine Seuche hatte ich bisher nicht im Zoo“, berichtet Pierre Grothmann. „Zum Glck!“ Und solch eine Zoonose, wie sie in der Serie grassierte, sei ebenfalls ein „Horror fr jeden Tierarzt“. Eine Zoonose ist eine Krankheit, die sowohl vom Menschen aufs Tier als auch umgekehrt bertragen werden kann.

Ein Pony ist ausgebrochen! Im Leipziger Zoo. Dort, wo die Serie spielt. Aber alles nur ausgedacht! Oder brechen Tiere auch im Braunschweiger Zoo aus? Waschbren, so Grothmann, verlassen fter ihr Gehege – aber meist wohl eher unfreiwillig: „ber ihrem Gehege gibt es eine Plattform, von der sie fallen und auerhalb der Anlage landen“, sagt er. „Sie sitzen dann meist davor und wollen wieder hinein.“

Ebenfalls realistisch ist, wie einem Lwen mittels Blasrohr eine Spritze verpasst wird: Der Abstand zum Tier stimme, schtzt der Experte ein. Auch wirklichkeitsnah: Dass Jonas Mertens, der Sohn der Tierrztin, im Zoo seinen Geburtstag feiern kann. „Das bieten viele Zoos an“, kommentiert der echte Tierarzt.

Und? Pierre Grothmanns Fazit? „Die Familienprobleme der Tierrztin stehen bei der Serie sehr im Vordergrund“, gibt er zu bedenken. „Vom rein medizinischen Standpunkt aus gesehen ist jedoch weitgehend alles richtig dargestellt worden.“ Die alltglichen Flle in seinem Tiermedizinalltag seien jedoch eher unspektakulrer.