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von Till Frommann







Reportagenkritik: „Frauchens letzter Cent“

Wie es Tieren von Hartz-IV-Empfängern geht? Oftmals zumindest besser als deren Besitzern. Die ZDF-Dokumentation „Frauchens letzter Cent – Arme Menschen und ihre Haustiere“ zeigte gestern, wie aufopfernd sich um sie gekümmert wird und wie wenig Geld den Katzen-, Hunde- und Vogelhaltern selbst zum Leben bleibt.

Drei Schicksale in Nahaufnahme: Petra Roesmer sammelt Flaschen, um von dem Pfand Futter für ihre zwei Hunde Vinny und Jeanny kaufen zu können. Das Hartz-IV-Geld trägt diese Ausgaben nämlich bei Weitem nicht. Hartmut Mund hat fast zwanzig Kanarienvögel und Sittiche, und seinen Papagai Lisa hat er ganz besonders ins Herz geschlossen – nur Geld, um die Gasrechnung zu bezahlen, hat er nicht. Und die 18-jährige Vanessa Salzmann kauft sich eine Katze, obwohl ihr Taschengeld dafür nicht ausreicht und ihre Mutter arbeitslos ist.

Die Tiere seien „Seelentröster“, die Besitzer suchten „Wärme“ bei ihnen, sie seien „Partner, die sie nicht hatten“. Das von ihnen vermittelte Gefühl, „gebraucht zu werden und nicht allein zu sein – unbezahlbar“ – so hieß es in der Dokumentation. Kitschig klangen diese Kommentare! Und trotzdem: Der Film brachte eine Vorstellung davon herüber, wie es ist, kaum Geld zu besitzen, aber nicht auf ein Haustier verzichten zu wollen und zu können.

Nicht aufdringlich wie eine dieser typischen RTL2-Krawallreportagen mit schnellen Schnitten und inszenierten Haudraufkonfliktsituationen. Stattdessen: Ruhige Kameraeinstellungen, man ließ sich Zeit, man lernte die Tierbesitzer kennen – und man glaubte, zu verstehen, weshalb sie ihre Hunde, Katzen und Vögel so dringend in ihrem Leben benötigen, wenn schon sonst kaum etwas zu klappen scheint.

Natürlich ist es gefühlduselig, wenn die Operation eines krebserkrankten Hundes von Petra Roesmer mit melancholischer Musik unterlegt wurde – was in diesem Falle dann doch wie bei eine RTL2-Reportage daherkam. Ansonsten jedoch, wie gesagt, sehr ruhig erzählt. Sehr anrührend, wie Roesmer versuchte, Geld für die Operation zusammenzubekommen, indem sie Porzellan verkaufen wollte. Wie sich Hartmut Mund, der Herr mit den vielen Vögeln, schweren Herzens von den überraschungsei-Sammelfiguren trennte, um sich seine Wellensittiche – und vor allen Dingen Papagai Lisa – leisten zu können. „Ich bin arm, aber trotzdem glücklich“, sagte er – und an beidem werden seine Vögeln nicht ganz unschuldig sein.