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von Till Frommann







Kritik: Minimalzuschauerdienst

Der Fernseher bleibt ausgeschaltet. Für immer und ewig. Noch ist das Fiktion. Doch dieses mörderische Medienmassaker könnte schneller kommen, als die Fernsehsender eine neue Serie absetzen können. Was nicht erst seit neuestem sehr schnell geht. Denn genau das ist das Problem: dass die Verantwortlichen ihre Zuschauer zum Verzicht erziehen, indem sie inkonsequent, irrational und irritierend irrlichtig handeln.

Der Zuschauer ist doof, jammern die Fernsehsender. Keiner will mehr unsere eigenproduzierten Spitzenserien sehen. RTL setzte jüngst sein Produkt „Herzog“ nach einer Folge ab, „Die Anwälte“ lief ganze drei Mal. Auch Sat 1 war neulich nicht zimperlich und strich die Comedyserie „Alles typisch“, nachdem sie vier Wochen lang ein Quotenvakuum im Programmablauf erzeugt hatte. Die Serie „3 ein Viertel“ durfte fünf Folgen lang nicht begeistern – weder die Zuschauer und schon gar nicht die Werbekunden, die ihre Spots zwischen der bemühten Komik geschaltet hatten. Schlechte Marktanteile stören nun einmal den Audience Flow. Und die Werbeeinnahmen bröckeln weg.

Die Zuschauer schalten jedoch zu Recht keine Sendungen mehr im Fernsehen an: Schon in den vergangenen Jahren waren sie es von einigen amerikanischen Serien gewohnt, dass diese mittendrin von quotengeilen deutschen Sendern abgesetzt worden sind.

Nö, antworten die Zuschauer den jammernden Fernsehsendern: Das Vertrauen ist weg. Was sollen wir unsere Zeit in Serien investieren, die ihr eh gleich wieder absetzt? Und lassen den Fernseher ausgeschaltet. Und weil die Quoten deshalb wegbleiben, werden RTL, Pro Sieben, Sat 1 und alle anderen noch rabiater streichen. Und die Zuschauer damit noch mehr verprellen.

Ein Teufelskreis!

Vermeintliche Gegenbeispiele sind „Stromberg“ und „Pastewka“ von Sat 1 und „KDD“ vom ZDF: Trotz mieser Quoten halten die Sender an den Serien fest und orderten neue Staffeln. Die Gründe? Tatsächlich, weil ein paar Feuilletonschreiber und / oder die Jurymitglieder des Adolf-Grimmepreises Qualität darin gesehen haben? So viel Einfluss kann diese intellektuelle Minderheit doch gar nicht haben.

Da zeigt sich wieder einmal, wie unberechenbar die Fernsehmacher handeln. Auf der einen Seite sind die Quoten wichtig (und bloß keine Zeit lassen, dass sich die Serie entwickeln kann!), auf der anderen Seite aber irgendwie auch Qualität.

Ja, was denn nun? Dem Zuschauer ist´s egal. Er schaltet den Fernseher aus, kauft sich die Serie auf DVD und weiß, dass er die Gewissheit hat, sich diese Folgen auch wirklich anschauen zu können, wann immer er möchte. Das kann ihm keiner nehmen – im Gegensatz zum Fernsehprogramm.

Denn Seriengucken im Fernsehen ist wie Lotto spielen. Nur mit noch weniger Gewinnern.