auftrag medien. alles inklusive.

von Till Frommann







Samstag, 5. Mai 2007

Und manchmal weiß man, dass man nicht durchhalten wird. Zum Beispiel einen dieser Marathonläufe, bei denen man sich eh nicht anmeldet – weil man weiß, dass man es sowieso nicht schaffen würde. Morgen ist wieder eines dieser sportlichen Ereignisse, und zwar werden fast direkt vor meinem Haus viele, viele verschwitzte Virtuosen der Kondition vorbeilaufen. Und ich? Werde ein schlechtes Gewissen haben, weil ich gestern wieder einmal nicht zum Sport gegangen bin, obwohl ich es mir sowas von fest vorgenommen hatte.

Womöglich werde ich mir heute Abend den “Blind Date”-Marathon auf ZDF Doku anschauen. Von 21 bis 3 Uhr werden Anke Engelke und Olli Dittrich in allen sechs “Blind Date”-Treffen hintereinander zu sehen sein, und ich glaube, dass ich lediglich die ersten drei Teile kenne. Teil Vier wird um 0 Uhr 30 beginnen.

Und manchmal weiß ich, dass ich nicht durchhalten werde. Irgendwann werde ich einschlafen und von Dittsche und einer Frau mit einer nervig-lauten Stimme träumen, obwohl ich doch eigentlich sowas von durchhalten wollte. Nun ja.

Freitag, 4. Mai 2007

Als ich heute aufgewacht bin, dachte ich: Das muss die Lüftung aus dem Bad sein. Die Lüftung aus dem Bad muss das sein, dachte ich mir. Doch es war die Baustelle draußen auf der Straße, von der ich dachte, dass sie längst abgebaut sein müsste, weil es in den vergangenen Tag so ruhig gewesen ist. Gut, es war nicht so laut wie in Los Angeles, aber laut war es trotzdem, und aufgewacht bin ich auch von diesem widerlichen Lärm.

Heute läuft um 20 Uhr 15 “Rush Hour” auf Sat 1 Comedy. Jackie Chan und Chris Tucker jagen Verbrecher im lauten, lauten Los Angeles.

Gut, dass es bei mir nicht so laut ist wie dort, dachte ich heute Morgen im Halbschlaf. Dass es bei mir nicht so laut ist wie in Los Angeles, finde ich wirklich sehr, sehr gut. Außerdem haben meine kleine Seitenstraße und irgend eine beliebige Straße in dieser amerikanischen Metropole relativ wenig gemeinsam. Wenn ich mich jedoch ganz stark konzentriere, müsste ich irgendwo, ganz weit hinten, den “Hollywood”-Schriftzug erkennen können. Ganz bestimmt.

Donnerstag, 3. Mai 2007

Alles neu – und das seit erst zwei Monaten. Und es ist nicht nur die neue Stadt.

Es ist der neue Job.

Die neuen Kollegen.

Die Freunde, die ich in der alten Stadt zurückgelassen habe, aber zum Glück gibt es moderne Kommunikationsmittel – und, natürlich, auch Brieftauben und Rauchzeichen, wer es nicht ganz so modern mag.

Willkommen in meinem neuen Leben – und dafür musste ich nicht einmal auswandern, wie es die Protagonisten der Dokusoap “Mein neues Leben” um 20 Uhr 15 auf Kabel Eins machen. Gut, es ist ein neues Bundesland, in welchem die Menschen kommunikationsfreudiger sind als in dem, aus dem ich stamme, aber das ist auch nicht besonders schwierig, weil es sich bei meiner Heimat um Niedersachsen handelt.

Ach, was für ein altmodisches Wort: Heimat. Und natürlich klingt da Kitsch mit. Als ich dort war, wollte ich weg, weil ich dachte, dass ich fast jede Straße kennen würde und mir meine Heimatstadt keine Überraschung mehr bieten könnte. Jetzt, wo ich weg bin, würde ich am liebsten zurück. Aber so ist das nun einmal: Das Leben ist immer neu und das jeden verdammten Tag.

Kolumne: Aus dem Leben eines Habenichts

Neulich in der Innenstadt einer mittelkleinen deutschen Großstadt: Zwei Punks (inklusive gefärbter Haare und “NO FUTURE!”-Buttons an ihren schmierigen Lederjacken) schnorren mich an. Nicht so schlimm, finde ich: Ich nerve das Arbeitsamt, um über die Runden zu kommen, sie betteln unbescholtene Passanten an. Kein Problem also, denn jeder hat die Freiheit, sich sein Geld so zu beschaffen, wie er es am Besten kann. weiter

Mittwoch, 2. Mai 2007

Hätte ich gestern “Durch die Nacht mit …” gesehen und würde ich mir heute die erste Folge der zweiten Staffel von “Nip/Tuck” um 23 Uhr 45 auf Pro Sieben antun, wäre ich morgen wirklich nicht mehr zu genießen.

Wen ich nicht alles anmisten würde. Alle! Alle würde ich angrummeln, obwohl ich es doch eigentlich wäre, der alles, aber auch alles falsch machen würde. Würde sauer sein, weil sich der Kaffee (wie von selbst!) auf dem Schreibtisch verbreitet hat, würde die Treppe anschreien, weil ich gestolpert bin und nur sie, sie sie, diese dämliche Treppe daran Schuld hat.

Aber wahrscheinlich würde ich viel eher meine Klappe halten. Den ganzen Tag. Eigentlich bin ich nämlich ein Viel- bis Sehr-viel-Sprecher. Nur wenn ich Alkohol getrunken habe oder müde bin, werde ich zu einem der schweigsamsten Menschen der Welt.

Und wie ich schweigen würde!

Dienstag, 1. Mai 2007

Traurig, traurig, dass die besten Sendungen im Fernsehen meistens mitten in der Nacht laufen. “Durch die Nacht mit …” auf Arte zum Beispiel. Läuft, dem Titel alle Ehre machend, um 0 Uhr 40. Wenn ich mir das heute anschauen sollte, heißt es morgen ganz bestimmt “Durch den Tag ohne mich”.

Heute würde es sich aber wirklich lohnen, sich die Sendung anzuschauen, weil sich diesmal Bastian Pastewka und Frank Plasberg treffen und sich in der einstündigen Ausgabe gemeinsam die Stadt Prerow auf der Halbinsel Darß anschauen, wo auch immer das sein mag. Das wird bestimmt (ha ha!) sehr lustig.

Und der nächste Tag? Würde für mich und meine Mitmenschen dann wahrscheinlich eher anstrengend werden. Ich kann nämlich ganz schön nervig sein, wenn ich übermüdet bin. Ich würde nicht in meiner Nähe sein wollen, wenn ich kaum geschlafen hätte.

Montag, 30. April 2007

Finanziell geht es mir gerade so schlecht, dass ich mich täglich nur noch von Haferbrei ernähre.

Frühstück: Haferbrei.

Mittagessen: Haferbrei.

Abendbrot: Haferbrei.

Mitternachtssnack: Haferbrei.

Weil das Wetter gerade so herrlich gut ist, fällt es mir leicht, die Heizung ausgeschaltet zu lassen, und Leitungswasser schmeckt auch gar nicht so schlecht. Auf Grund meiner Mangelernährung habe ich nun zwar gesundheitliche Probleme, aber das wird schon wieder, denke ich mir, das wird schon wieder.

Heute läuft um 20 Uhr 15 “Der große Finanz-Check” auf dem WDR. Das würde ich mir anschauen wollen. Nur: Wie, ohne Strom? Manchmal wünschte ich mir, dass ich endlich wieder elektrisches Licht hätte.

Sonntag, 29. April 2007

Heute bleibt diese gottverdammte Glotze aus. Schluss mit diesen flimmerigen Verdummungsbildern. Jetzt wird Radio gehört, aber bitte nicht irgendein Durchhörsender, sondern Radio Eins, dieses großartige Radioprogramm aus Berlin.

Gerade heute lohnt es sich, weil heute von 16 bis 18 Uhr “Show Royale” läuft. Die zwei Moderatoren sind so wienerisch komisch, dass es schon wieder depressiv macht. Sie reden über ihre Krankheiten, darüber wie schrecklich alles ist und womöglich sogar darüber, dass früher alles besser war. Auch wenn einige Äußerungen ironisch gemeint sein sollten – das Leben ist tatsächlich so: teilweise lustig, teilweise jedoch auch furchtbar schrecklich.

Kann man auch über einen Livestream hören.