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von Till Frommann







Freitag, 8. Juni 2007

Wenn ich bis Sonntag an dieser Stelle zynisch werden sollte, möge mich “Ein Blitz aus heiterem Himmel” treffen – zum Beispiel der, der um 19 Uhr 45 auf dem Bayerischen Rundfunk aufgeführt wird. Es ist ein Volksstück aus dem Jahre 1993, und allein das wäre normalerweise ein Grund für mich, diese Sendung mit zynischen Bemerkungen niederzuschreiben.

Heute aber nicht.

Ich schaffe es.

Ich werde nicht zynisch.

Noch zwei Tage nicht.

Jawohl.

Donnerstag, 7. Juni

Nein, nein, nein und nochmals nein, Tele 5. Der Titel deines Films heute um 20 Uhr 15 widerspricht meinem Fast-eine-Woche-lang-nicht-zynisch-sein-Projekt. Nicht zynisch zu sein, bedeutet nämlich nicht, dass man ernst sein muss. Es gibt viele verschiedene Arten von Humor – und Zynismus ist nur eine Möglichkeit von vielen, sich und andere zum Lachen zu bringen oder auch nicht.

Der Titel “Ernst sein ist alles” stimmt nicht. Humor ist wichtig. Mir. Wahrscheinlich vielen anderen auch. Eigentlich sollte ich immer lachen, immer fröhlich sein – und nicht ernst und verkopft. Und natürlich bin ich es nicht immer – fröhlich. Und dann werde ich zynisch – oder traurig. Oder beides gleichzeitig.

Ja, es fällt mir wirklich schwer, nicht zynisch zu werden, wenn es mir schlecht geht.

Mittwoch, 6. Juni 2007

Es fällt mir ausgesprochen schwer, nicht zynisch zu werden. Wie ein Schutzschild ist es, sarkastisch zu sein, selbstironisch und immer so zu tun, als sei es mir egal, wie was in meinem Leben abläuft. Distanz durch Humor – aber nicht diese Woche. Diese Woche möchte ich versuchen, nicht zynisch zu sein, zumindest hier in diesem Fernsehtagebuch.

Die beste Sendung, um zu üben, nicht zynisch darauf zu reagieren, ist natürlich “Gute Zeiten, schlechte Zeiten” (RTL, 19 Uhr 40). Keine Witze darüber, viele Menschen mögen die Handlung, die Schauspieler, das werktägliche Gefühlsdurcheinander.

Wenn ich mir in dieser Woche die Dailysoap anschauen würde, würde ich natürlich nur die erste Hälfte – die “guten Zeiten”! – ansehen. Das ist wie bei “Krieg und Frieden”. Dort würde ich bis Sonntag nur den zweiten Teil lesen. Diesen Witz habe ich geklaut, ich weiß nur nicht mehr, von wem.

Dienstag, 5. Juni 2007

Es reicht. Dieses Rumgeheule hier. Dieses ständige Ach-was-ist-die-Welt-heute-wieder-schlecht. Ab heute möchte ich – zumindest eine Woche lang – nur positive Dinge schreiben. Wie gut, wunderbar und großartig mein Leben ist. Wie glücklich ich eigentlich bin. Keine Ironie. Kein Zynismus. Nur aufrichtig das Gute beschreiben, das ich jeden Tag erleben kann in meinem Leben.

Heute startet um 20 Uhr 15 auf Super RTL wieder einmal ein Klassiker der britischen Comedyserien – nämlich “Mr. Bean”. Und trotz dieser ganzen Tragik, die diesem tragischen, bösartigen Menschen widerfährt, scheint er mit sich und seiner Welt zufrieden zu sein. Von Mr. Bean lernen – und die Welt wird wunderbarer.

Und weil die Welt natürlich nicht nur aus rosa Wölkchen und Heititei besteht, werde ich meine positive Sicht auf die Welt nur die angebrochene Woche, also lediglich bis Sonntag, versuchen, beizubehalten.

Kolumne: Hupen und schlechte Laune

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Serienkritik: “Primeval” und “Jericho”

Es ist ein Drahtseilakt: Zwei frisch importierte Serien starten auf Pro Sieben. Sie balancieren zwischen niveaulosen, dennoch großartigem Fernsehtrash und erschreckend-dümmlichen Mystery-Murks. Die Absturzgefahr dabei: überaus groß. weiter

Montag, 4. Juni 2007

Mein Kontostand gähnt mich an. Ich gähne zurück. Wie sehr mich diese roten Zahlen doch langweilen – und das seit Monaten. Doch Besserung ist in Sicht, diverse Finanzspritzen werden dafür sorgen, dass ich demnächst in Geld baden werde. Hahaha, reich werde ich sein, reich, jawohl.

Gut, das ist übertrieben. Aber es wird mir gut gehen. Und vielleicht werde ich sogar irgendwann glücklich sein, obwohl das nicht so viel mit Geld, Vermögen und Reichtum zu tun hat. Und eigentlich bin ich es ja auch – glücklich. Wenn ich nur nicht so pessimistisch, grummelig und unzufrieden mit mir selbst wäre und nicht so ein viel zu kleines, winziges Selbstwertgefühl hätte. Ach, was bin ich doch für ein armer, armer, armer Jammerlappen. Ist ja nicht auszuhalten, dieses Selbstmitleid hier.

Um 20 Uhr 15 läuft heute auf dem ZDF der Spielfilm “Kein Geld der Welt”. Keine Ahnung, worum es darin geht, aber der Titel spricht meiner derzeitigen finanziellen Lage gerade vollstens aus der Seele.

Freitag, 1. Juni 2007

Morgens höre ich zum Wachwerden den Radiosender SWR 3, weil der Wecker mich damit in den wunderschönen, lieblichen Tag begrüßt. Mist. Die Nacht ist vorbei, und ich drehe mich noch einmal im Bett um. Dann höre ich über einen Internetstream Radio Eins. Der Wortanteil macht mich aber auch nicht viel wacher. Unter der Dusche: Wieder SWR 3. Später vielleicht das “Morgenmagazin” von ARD oder ZDF.

Ich bin ja sowas von müde.