Also: Bin ich ein Geek?
Heute läuft um 20 Uhr 40 “Barbarella” auf Arte. Irgendwas mit Außerirdischen, Raumschiffen und einer Achtundsechzigerjahreästhetik. Ich habe den Film, wie fast alles, was ich hier vorstelle, nie gesehen – würde aber gerne.
Nun ja.
Macht mich das zu einem Geek? Andererseits läuft der Film auf Arte.
Ich glaube schon. Aber ist das schlimm? Jeder Mensch hat seine Macken, und auch ich bin Inhaber verschiedenster Ticks, habe die komischsten Anwandlungen, bin neurotisch, egozentrisch und hin und wieder selbstverliebt. Okay, nicht nur hin und wieder.
Aber macht mich das zu einem Geek? Dass ich Fernseh-, Kino- und sonstigen Trash liebe? Dass ich gerne Comics lese? Comedyserien sehe?
Ach, verdammt, was soll das eigentlich sein, ein Geek? Ich sollte mich nicht angesprochen fühlen, wenn es um diese seltsame Gattung geht.
Dienstag, 10. Juli 2007
Montag, 9. Juli 2007
Bin ich geekig? Früher, als ich noch jung war, habe ich sonntags immer bis 15 Uhr geschlafen – denn dann lief “Sliders” auf RTL, und deshalb hatte ich aufstehen müssen. Oder lief diese wunderbare Serie schon um 14 Uhr? Nein, so früh am Morgen werde ich nicht aufgestanden sein.
Getanzt. Gelangweilt. Mich und andere. Nacht durchgemacht. Und der nächste Tag, der Sonntag, war vorbei, ehe er beginnen konnte.
“Sliders” war eine richtig gute Serie. Leider war ich fast der einzige, der diese Meinung mit mir teilte.
Jetzt kann ich aufstehen, wann ich will, denn jetzt gibt es den “Sci Fi Channel”. Und die “Sliders”, die von Paralleluniversum zu Paralleluniversum reisten, liefen dort auch schon. Ansonsten Serien wie “Zurück in die Vergangenheit” (19 Uhr 25), “Battlestar Galactica” (20 Uhr 15), “Star Trek” (10 Uhr 05, 16 Uhr 55 und 17 Uhr 45).
Dass ich eine Zeit lang ein Star-Trek-Fanzine abonniert hatte, verschweige ich lieber, denn das würde die Frage, ob ich ein Geek war, früher, umfassend beantworten. Aber da bin ich noch jung gewesen, damals. Doch bin ich noch immer geekig?
Die Antwort möchte ich verweigern, bitte. Vielen Dank.
Sonntag, 8. Juli 2007
Ja, in Ordnung, ich war im Geschichtsleistungskurs, aber was sagt das über mein historisches Wissen aus? Was sagt das über mein historisches Interesse aus? Nichts, leider. Denn ich interessiere mich nur gering für vergangene Epochen. Vorbei ist vorbei, sage ich immer, was interessiert mich Rom?
Heute startet RTL 2 um 20 Uhr 15 eine der angeblich teuersten Fernsehserien aller Zeiten – nämlich, ja, “Rom”. Es geht um Römer, Cäsar und Kriegsgemetzel. Interessiere ich mich dafür? Vielleicht. Lohnt es sich? Historischer Kram? Womöglich. Wenn vergangene Zeiten gut nacherzählt sind, könnten sie unterhaltsam sein. Wenn sie schlecht nacherzählt sind, sind sie ganz einfach nur schlecht erzählt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Was interessiert mich die Realität! Ich will unterhalten werden. Was interessiert mich Historisches?
Vielleicht sollte ich weniger geschichtsverdrossen sein. Sollte ich?
Samstag, 7. Juli 2007
Ich mag Überraschungen und belanglose Gespräche über das Wetter. Überraschend war es zum Beispiel, dass es in diesem Jahr bereits einen Sommer gab und jetzt schon wieder Herbst ist. Womöglich gibt es bald wieder Sommer. Ich finde das wunderbar: Nie weiß man, welche Jahreszeit am nächsten Tag sein wird.
Oh nein, nicht schon wieder Winter, könnte man denken. Aber egal: Morgen könnte schon wieder ein Sommertag sein. Oder Frühling. Ich liebe diese Frühlingstage, an denen alles sprießt und grünt. Oder Herbst. Vielleicht ist morgen auch ein Herbsttag. Ist ja auch ganz schön, eigentlich.
Heute läuft um 20 Uhr 15 ein Film über diese überraschenden Tage unserer postmodernen Wetterepoche – Pro Sieben zeigt dann nämlich “Eine unbequeme Wahrheit”.
Und muss der einem eigentlich alles vermiesen, dieser Al Gore? Ist doch eigentlich wirklich ganz schön, wenn jeder Tag eine neue Überraschung bietet, zumindest was das Wetter anbelangt. Ansonsten wiederholt sich natürlich alles. Und ich habe sicherlich auch schon geschrieben, wie alltäglich der Alltag doch ist? Ach ja, auch das habe ich mehrfach erwähnt.
Freitag, 6. Juli 2007
Ich habe mir “Das dicke Rattelschneck Buch” gekauft. Ich mag die Cartoons, die jeden Samstag in der Süddeutschen Zeitung erscheinen. Ich mag den Irrsinn. Und ich rege mich auf, wenn ich den Witz nicht verstehe – höchstwahrscheinlich ist in dem entsprechenden Cartoon jedoch nicht einmal ein Witz, nur Irrsinn.
Einer meiner vielen Lieblingscartoons in dem Band zeigt einen dämlich-depressiv aussehenden Dackel, der an einer Leine geführt wird. In einer Sprechblase über ihm der einzig sinnvolle Gedanke, den er denken kann, nämlich: “Dieses ständige Gassi gehen. Ich kann doch aufs Linoleum in der Küche pissen.” Das ist lustig. Und irrsinnig.
Und überraschend ist es auch. Das gesamte Buch von Rattelschneck ist überraschend. Und lustig. Und seltsam. Und nicht so doof wie wieder einmal das unüberraschend gähnige Fernsehprogramm heute. Leider. Ich mag Fernsehen. Wirklich. Nur nicht heute. Heute ist Fernsehen doof. Höchstwahrscheinlich die neue Show mit Cordula Stratmann (“Das weiß doch jedes Kind!”, Sat 1, 20 Uhr 15). Nicht wahrscheinlich, sondern voraussichtlich wird “Entern oder Kentern” ärgerlich mies (RTL, 20 Uhr 15) und alles andere sowieso. Ist doch alles Mist. Scheiße. Unüberraschend. Wahnwitzig unwitzig.
Verdammt, jetzt höre ich mich doch tatsächlich so an wie Hans Hoff in seiner Phase, in der er alles, aber auch wirklich alles am Fernsehen hasste. Ich liebe das Fernsehen. Wirklich. Nur manchmal, wie heute zum Beispiel, halt nicht.
Donnerstag, 5. Juli 2007
Remakes zum Beispiel sind auch nichts anderes als Wiederholungen. Eine Geschichte, die bereits erzählt wurde, wird noch einmal erzählt. Hier eine Variation, da ein anderer Dialog, vielleicht etwas lustiger, womöglich ein bisschen dramatischer, aber alles in allem derselbe Plot. Andere Schauspieler, bessere Spezialeffekte.
Wir wollen doch sowieso nicht überrascht werden. Wir wollen doch eigentlich immer wieder den selben Stuss sehen, die selben paar Handlungsmuster. Held rettet Frau. Held liebt Frau, aber Frau liebt Held nicht, und am Ende kriegen sie sich doch. Ein Mord ist geschehen, und der Held (der Kommissar!) muss den Mord lösen.
No alarms and no surprises (get me outta here),
no alarms and no surprises (get me outta here),
no alarms and no surprises, please.
Heute läuft das Remake zum 1974 zuerst veröffentlichten Film “Die Frauen von Stepford” (ARD, 22 Uhr 45). Ich habe weder das Original, noch habe ich die Wiederholung von 2004 gesehen. Alles wiederholt sich, und der Alltag ist und bleibt, nun ja, alltäglich.
Mittwoch, 4. Juli 2007
Und habe ich schon geschrieben, dass ich mich nicht für Sport interessiere? Natürlich habe ich das. Eine Wiederholung jagt eine Wiederholung jagt eine Wiederholung. Langsam fange ich an, mich für den Langweiler zu halten, der ich nie sein wollte.
Heute entscheidet sich, wo 2014 die Olympischen Spiele stattfinden werden (Eurosport, 23 Uhr). Und interessiert mich das? Natürlich nicht.
Was mich jedoch viel mehr interessiert: wo ich 2014 sein werde. Was ich machen werde. Ob ich genauso zwischen Glücklich, Unglücklich und Einigermaßen-Zufrieden schwanken werde, so wie jetzt und so, wie es fast jedem anderen Menschen auch geht? Wahrscheinlich schon.
2014! Das ist in sieben Jahren. Wo will ich sein? Was werde ich beruflich machen? In welcher Stadt werde ich leben? Wie oft werde ich mich bis dahin – nicht nur in Smalltalkgesprächen und hier! – wiederholt haben werden? Zumindest dass das sehr oft sein wird, ist so gut wie sicher.
Und habe ich schon geschrieben, dass ich mich nicht für Sport interessiere? Natürlich habe ich das.
Dienstag, 3. Juli 2007
“In letzter Zeit schreibst du fast nur noch darüber, dass sich alles im Alltag wiederholt.”
“Stimmt.”
“Aber ist das nicht auf Dauer etwas langweilig?”
“Ja, aber es ist wahr.”
“Eine wahre Geschichte?”
“Mein wahres Leben.”
“Dann konsumier doch wenigstens ein paar Drogen, damit es spannender zu lesen ist. So wie der Schriftsteller Hunter S. Thompson.”
“Nö.”
“Aber Du könntest doch wenigstens die Verfilmung seines Romans ‘Angst und Schrecken in Las Vegas’ empfehlen. Die läuft heute um 23 Uhr 45 auf dem NDR.”
“Okay. Der lief aber schon öfter. Ist eine Wiederholung.”
“Alles wiederholt sich eben nun einmal. Der Alltag – und auch das Fernsehprogramm.”