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von Till Frommann







Kolumne: Was man vom Fernsehen lernen kann oder „If this is a rom-com, kill the director“

Letzte Nacht habe ich sehr wenig geschlafen, und ich wnsche mir im Nachhinein, dass ich die Nacht schlummernd in meinem Bett verbracht htte. Wenigstens haben mir die Umstnde wieder einmal belegt, dass ich mit meiner Theorie ber Sitcoms und wie man das Leben sehen kann, wenn man zu viele Stunden mit diesen ach so lustigen Fernsehserien verbracht hat, nicht ganz falsch liege.

Meine Theorie lsst sich auf einen einzigen Satz herunterbrechen, der auf den ersten Blick sehr frustrierend wirken mag. Er lautet: Alles, was immer schlimmer werden kann, wird immer schlimmer. Der Satz klingt desillusionierend, weil er wahr ist. Und was das mit Sitcoms zu tun hat? Kommt ja alles noch, etwas Geduld bitte, verdammt, denn wer sich hetzen lsst, hat sowieso schon verloren, also gebt mir etwas Zeit, ich bin noch sehr mde, meine Gefhle sind aufgewhlt wie ein Bltterberg im Herbst. Und was fr ein widerliches Kitschkrambild – alles wird immer schlimmer, auch diese Kolumne.

Ich brauche Koffein, viel Koffein. Ich fhle mich, als htte mich ein riesiges Monster gefressen und danach wieder ausgekotzt. Das mag drastisch klingen, aber, hey, das ist nah dran an meiner derzeitig gefhlten Realitt.

Ich setze mir erst einmal einen Kaffee auf, bevor ich versuche, meine Theorie so verstndlich wie mglich darzulegen – und eigentlich bin ich froh darber, dass ich wissenschaftlich noch nie gut schreiben konnte, deswegen wird dies hier keine Abhandlung, sondern ein sehr persnlicher Erfahrungsbericht aus meinem mehr oder weniger seltsamen Leben.

Etwas nicht ganz so Schlimmes, das mir heute noch zustoen knnte, wre ein Koffeinschock. Eigentlich sind solche Ausnahmezustnde auch sehr zu befrworten, weil man durch die Aufgekratztheit merkt, dass man noch am Leben ist. Leider merkt man nicht nur selbst, dass man noch lebt, sondern (wenn alles schlimm luft) auch die Mitmenschen. Vergangene Woche war ich leicht erkltet und hatte neben meinen blichen Tassen Kaffee noch die unglaublich dumme Idee, mich mit Grippostad arbeitstauglich zu dopen. In diesen Tabletten versteckt sich nmlich neben Vitamin C und Paracetamol auch noch eine nicht zu unterschtzende Dosis an Koffein. Und wie viel man da ungefragt und strend mit einem Kollegen in Sitzungen tuscheln kann! Und alles wird schlimmer und schlimmer und schlimmer und schlimmer.

Der Kaffee, den ich mir aufgesetzt habe, ist durchgelaufen. Es ist gefhlt die vierte Kanne heute. Aber was sind schon Gefhle? Sie tuschen mich, tricksen mich aus, und am Ende fhle ich mich mies und beschissen und (wenn wir bei Kraftausdrcken bleiben wollen, und das will ich) vom Leben verarscht.

Ich giee mir eine weitere Tasse ein, gebe etwas Milch dazu und sauge das Koffein in mich auf. Es wird nicht der letzte Kaffee gewesen sein, den ich heute trinken werde, und mit jedem Schluck werde ich hibbeliger sein, aufgekratzter, vielleicht sogar ein ganz klein wenig glcklicher, was sehr erstrebenswert, aber unrealistisch ist.

Ich glaube, dass viele Menschen mehr von Fernsehserien, Unterhaltungsshows und Entertainmentprodukten jeglicher Couleur erzogen worden sind als von ihren Eltern. Das ist die Realitt wie ich sie kenne, und das ist auch berhaupt nicht schlimm. Zum Beispiel bin ich mit „Roseanne“ aufgewachsen, mit „Alf“, dem „A-Team“, mit „Eine schreckliche nette Familie“, den „Simpsons“ und „Knight Rider“. In der Kombination mit Otto-Waalkes-Kassetten, dem „Mad“-Magazin, den „rzten“ und dem Satire-Blatt „Titanic“ ergibt das eine explosive Mischung, die sich in meinem Zynismus und meinen manchmal sehr schlechten Witzen widerspiegelt. Und, natrlich, auch in meiner Lebenseinstellung.

Spter kamen Sitcoms wie „Seinfeld“, „Cheers“, „Frasier“ und „Becker“ hinzu, und sie machten alles nur noch schlimmer. Denn aus ihnen leitete ich diesen einen, treffenden Satz ab: Alles, was immer schlimmer werden kann, wird immer schlimmer, jawohl. Denn ist das nicht der Fall bei diesen Fernsehserien? Dass die Protagonisten in eine seltsame Situation geraten, sie daraufhin versuchen, daraus herauszukommen und dass sie damit alles nur noch schlimmer und schlimmer und schlimmer machen? Und je fter man sich solche Sitcoms anschaut, desto mehr bernimmt man unbewusst von dieser Lehre. Gemischt mit persnlichen Erfahrungen bleibt einem nichts anderes brig als zuzugeben, dass diese Theorie stimmt.

Darauf eine Tasse Kaffee, die mich hoffentlich ein ganz klein wenig glcklicher macht. Und manchmal wnschte ich mir, dass Nchte in der Retrospektive anders verlaufen wren und nicht stndig meine Sitcom-Theorie verifizieren wrden.

Danke, Fernsehen. Htte ich frher doch mehr gelesen. Aber wahrscheinlich wre es dadurch blo anders schlimm geworden.