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von Till Frommann







Kolumne: Protokoll eines ganz gewhnlichen Stadtbummels ohne Ziel und Verstand

Seit meiner Geburt habe ich nicht besonders viel gehofft, womit ich bisher eigentlich recht gut gefahren bin – denn wer kaum hofft, kann auch kaum enttuscht werden. Was ich fr Ziele habe? Irgendwelche, wird schon gut gehen. Und Wnsche? Nicht zu viele.

Und, tatschlich, bisher ist alles einigermaen gut gegangen, und meine wenigen Wnsche haben sich wirklich erfllt. Wenn ich mich doch nur daran erinnern knnte, was ich mir gewnscht habe. Aber im Nachhinein ist es sicherlich das Richtige gewesen, und teilweise ist wahrscheinlich auch das Richtige geschehen.

„I´m sinking deep, i’m going under / That sugar coated iceberg tastes to sweet / Until you tumble, those sugar coated lies“

Ich flaniere durch die Fugngerzone, natrlich ohne Ziel. Irgendetwas werde ich schon erleben.

Neulich hatte ich mich mit einem Bekannten unterhalten, der mir erzhlte, dass er einzig und allein zielgerichtet in die Stadt geht, zielgerichtet Dinge kauft und dann auf dem geradlinigsten Weg wieder Richtung Wohnung luft.

Wo, bitte, ist denn da der Sinn?

Die Welt besteht doch daraus, nicht zu wissen, was als nchstes passiert. Was ich forcieren mchte. Kein Plan, nicht einmal beim Durch-die-Stadt-Laufen. Und auch sonst nicht.

„Vulcan eyebrows, vulcan ears, that’s what I dream of, no more sorrow, no more tears“

Das Schnste wre es natrlich, sich nicht von Gefhlen berraschen lassen zu mssen, das ist eine Ausnahme in meinem Leben. Ganz so viele berraschungen sollen mich dann nmlich doch nicht heimsuchen. Gerne wre ich ein emotionales Wrack, das sich von nichts aus der Ruhe bringen lsst, andere, die ich frher einmal gekannt habe, bekamen das doch auch hin.

Ich schlendere weiter durch die Fugngerzone, und nichts passiert. Was ich berhaupt nicht schlimm finde. Da! Ich treffe jemanden, mit dem ich mich kurz ber alles und nichts unterhalte, um danach ohne Ziel weiter zu spazieren. Es passiert nichts Groartiges – was manchmal sehr beruhigend sein kann.

„I don´t feel nothing now, not even fear“

Zurck zuhause. Ich liege auf der Couch, hre emotionale Musik und freue mich, dass ich kein gefhlloser Eisklotz bin. Denn natrlich lasse ich mich gerne einlullen und habe es gern, wenn Musik, Fernsehserien und Hollywoodkram mit meinen Gefhlen spielen.

Andererseits mag ich es nicht, wenn Menschen mit meinen Gefhlen spielen, aber das ist eine andere Geschichte mit berraschungen, welche wohl weder ich noch andere Menschen mgen.

Und manchmal ist es einfach blo wunderbar, wenn berhaupt nichts geschieht und wenn alles so wie immer bleibt. Manchmal mag ich es nmlich sehr an mir, ein ganz klein wenig reaktionr zu sein.