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von Till Frommann







Hintergrund: Facebook-Alternative Diaspora geplant – Mehr Datenschutz

(publiziert am 18. Mai 2010 auf heute.de)

Privatsphäre in sozialen Netzwerken? Ein heikles Thema. Jetzt haben vier US-Studenten eine Alternative zu Facebook angekündigt: Diaspora soll Daten besser schützen. Die Netzwelt ist begeistert. „Facebook ist zu groß und zu unsicher“, wird getwittert

Das US-Netzwerk Facebook steht wegen seiner undurchsichtigen Datenschutzpolitik immer wieder in der Kritik. Der Wunsch nach mehr Datenschutz hat nun vier New Yorker Studenten dazu bewegt, eine Alternative dazu zu planen.

Bis zum 1. Juni haben die Studenten Maxwell Salzberg, Ilya Zhitomirskiy, Daniel Grippi und Raphael Sofaer als finanzielle Unterstützung für ihr Projekt 10.000 Dollar sammeln wollen. Dieses Ziel haben sie weit übertroffen: Über 180.000 Dollar sind bereits jetzt für das Projekt namens Diaspora zusammen gekommen

„Diaspora das bessere Facebook?“

Das Netz reagiert begeistert: „Wird Diaspora das neue und bessere Facebook?“ fragt der Internetnutzer Roquane auf Twitter. Der User Gattacapilot erklärt, dass man doch erst einmal abwarten solle, da es ja noch nicht einmal programmiert sei – womöglich ist Diaspora auch bloß ein Luftschloss, ganz nach dem Motto: Angekündigt und dann doch wieder begraben.

Der User Admo twittert: „Ist langsam Zeit für eine neue Community. Facebook ist zu groß und zu unsicher. Was wird kommen? Wohin wirds gehen? Diaspora?“ Und Twittagspause schreibt: „Nette Jungs und gute Idee“ Björn Friedrich analysiert die Halbwertzeit von sozialen Netzwerken: „Kürzlich dachte man noch, VZnet werde von Facebook abgelöst, nun wankt auch der blaue Riese“ twittert er.

Twitterer Dirk Songuer kommentiert zynisch: „Es wäre ein typischer Web-Moment, wenn die Jungs von Diaspora mit der Kohle abhauen & auf der Webseite nur noch Urlaubsbilder posten würden.“

Salzberg versus Zuckerberg

Viele User von Twitter sehen in Diaspora eine gute Alternative zu Facebook und Co. „Wie lustig, dass jemand, der Salzberg heißt, gegen das Projekt vom Zuckerberg anstinken will“ ist Maczarr aufgefallen – Mark Zuckerberg ist der Gründer von Facebook, Maxwell Salzberg Mitinitiator von Diaspora.

Die Diaspora-Macher kritisieren an sozialen Netzwerken, dass meist eine einzige Firma über viele persönliche Informationen ihrer Nutzer verfügt – was sie bei ihrem Projekt anders machen wollen, das bis September an den Start gehen soll

Sie versprechen einen besserer Datenschutz und eine bessere Kontrolle darüber, welche publizierte Information welcher Nutzer sehen darf und welche nicht

“Quit Facebook Day”

Die Daten werden nicht auf einem einzigen, zentralen Server einer einzigen Firma gespeichert, sondern dezentral und verschlüsselt auf vielen verschiedenen Computern. Das geballte Wissen über unser aller Privatleben liegt also nicht mehr in der Hand eines einzigen Unternehmens. Soweit zumindest das Versprechen der Diaspora-Macher.

Denn das Vertrauen in die Datensicherheit bei Facebook sinkt: Indiz dafür ist auch der „Quit Facebook Day“ den User derzeit für den 31. Mai organisieren.

Ein Netzwerk für alles

Ein weiterer Vorteil von Diaspora ist, dass es als ein Meta-Netzwerk angekündigt ist, also ein Netzwerk, das alle Aktivitäten auf Netzwerken wie Facebook, Twitter, Flickr oder LastFM zusammenfasst und anderen befreundeten Diaspora-Nutzern zur Verfügung stellt, egal, ob diese nun Mitglied in diesem oder jenem Social Network sind.