auftrag medien. alles inklusive.

von Till Frommann







Dienstag, 24. Juli 2007

Genug Zeit heute, um über das Fernsehen weiter nachzudenken.

Wenn es aus ist, ist es auch nicht besser.

Genug Gedanken. Reicht doch. Ha ha. Was soll man großartig theoretisieren. Ist doch alles einfach nur Unterhaltung und Entertainment. Und wenn es nicht unterhält und nicht entertaint, ist es doof.

Heute zum Beispiel läuft „Robin Hood – Helden in Strumpfhosen“ (Kabel 1, 20 Uhr 15). Das entertaint und unterhält. Oder um 22 Uhr 35 auf 3sat: der wahrscheinlich richtig gute Animationsfilm „Waking Life“. Und dann noch „The Straight Story“ (Bayern 3, 23 Uhr 15), in dem es um einen Rasenmäherfahrer geht, der damit quer durch Amerika fährt.

Das entertaint, unterhält und hat wahrscheinlich sogar Tiefgang. Und es ist überhaupt nicht doof, wenn Unterhaltung und Entertainment mit Tiefgang ergänzt wird.





Montag, 23. Juli 2007 (ebenfalls Nachtrag)

Es ist jetzt Montag, kurz nach 23 Uhr, die Prime Time ist längst vorbei, und ich bin müde. Das Wochenende frisst ihre Kinder – oder besser: ihren Schlaf. Obwohl: Ich habe wirklich gut geschlafen. Ich habe ganz einfach nur keine Zeit gefunden, über das verdammte Fernsehen zu schreiben.

Hört auf damit! Sonnt Euch! Rennt um die Wette! Baut Atomkraftwerke! Ist alles sinnvoller, als fernzusehen. Andererseits ist es unterhaltsam. Und das ist es, was ich am Fernsehen liebe.





Sonntag, 22. Juli 2007 (Nachtrag)

Manchmal ist das Wochenende viel zu schön, als dass man sich darüber Gedanken machen möchte, wie man seine Zeit vorm Fernseher vergeuden könnte. Dieses Wochenende war eines dieser Wochenenden.

Es ist jetzt Montag Abend, und es regnet. Und ich schreibe nicht, was man gestern gesehen haben könnte. Das ist mir nämlich zu blöd. Nicht zurück schauen. Nur nach vorne. Was morgen sein kann. Oder zurück schauen und daran denken, wie schön das alles doch war. Nicht darüber ärgern, dass man, sagen wir, unwichtigen Kram wie dieses Fernsehtagebuch zu schreiben, nicht erledigt hat.

Und man sollte nicht nur nicht zurück schauen, sondern laut meiner Großmutter auch nicht nach oben. Man sollte sich mit dem zufrieden geben, was man hat und nach unten schauen, dorthin, wo es anderen viel, viel schlechter geht. Es geht einem doch gut, sieht man dann. Es geht mir doch gut, sehe dann auch ich.

Schöne Lebenseinstellung, wahrscheinlich würde es mir tatsächlich besser gehen, wenn ich so denken würde. Aber ich denke nicht so. Ich bin eifersüchtig. Auf die da oben. Leider.





Samstag, 21. Juli 2007

Gerade höre ich viel von Morrissey und den Smiths. Mir geht es gut, wirklich, vielen Dank der Nachfrage. Ich mag nur (warum auch immer?) diese zynischen, bösartigen, aber doch irgendwie lustigen (und gleichzeitig traurigen!) Texte. Ich mag Tocotronic, Punk, Ska, Millencolin, dieses eine Lied von Panic! At The Disco, worauf mich ein Freund aufmerksam gemacht hatte, finde ich wirklich wunderbar. Ach, verdammt, eigentlich mag ich so viele verschiedene Musikarten. Nur nichtssagende Radiodudelbügelmusik mag ich nicht (und ich weiß, weshalb!). Deswegen höre ich hin und wieder Radio Eins per Livestream, einen wirklich gelungenen Radiosender mit einer guten Mischung aus Wortbeiträgen und Musik.

Heute läuft ab 23 Uhr 15 auf dem WDR „30 Jahre Rockpalast“. Ich bin ganz Ohr – aber dieses Zitat würde mich dazu bringen (über verschlungene Gedankenpfade!), über meine Lieblingscomedyserien zu schreiben. Später vielleicht, okay?





Freitag, 20. Juli 2007

„Du weißt, dass Du ein Spinner bist, oder?“

„Ist mir noch überhaupt nicht aufgefallen.“

„Du stehst nicht zu Deinen Gefühlen.“

„Hä?“

„Du bist ironisch.“

„Ja, und?“

„Und immer, wenn Du irgend etwas schreibst, was Du nicht an Dich heranlassen willst, schreibst Du von Kitsch. Du bist ironisch, um das Leben nicht ernst nehmen zu müssen. Wenn es um Gefühlskram geht, nennst Du das Kitsch, um Dich davon abzugrenzen.“

„Mache ich überhaupt nicht.“

„Am Dienstag hast Du von ‚Kitschortstimmung‘ geschrieben. Am Mittwoch hast Du von kitschiger Kindheit geschrieben. Und das hast Du bestimmt schon öfter gemacht.“

„Ist ja gut. Du hast ja sowas von verdammt Recht. Bin ich jetzt ein schlechter Mensch?“

„Vielleicht nicht schlecht, aber womöglich so wie der Dude.“

„Der Dude?“

„Der Dude. Wie bei ‚The Big Lebowski‘. Läuft heute um 20 Uhr 15 auf Tele 5.“

„Du bist ein ganz, ganz schlechter Mensch.“

„Wieso?“

„Weil Du hier noch unbedingt einen Fernsehtipp reinquetschen musstest. Ab in die Ecke. Geh Dich schämen.“

„Ist ja gut, reg Dich ab.“





Donnerstag, 19. Juli 2007

Ich fahre Bahn und lese Zeitung. Ein kurzer Blick aus dem Fenster. Schön, die Gegend. Berge, Hügel. Hübsche Dörfer und größere Städtchen. Ich bin in der Provinz, obwohl ich doch eigentlich in eine große Großstadt wollte. Berlin. Hamburg. Köln. Sowas. Jetzt also wieder einmal Provinz. Von der Provinz, aus der ich komme, in die Provinz, in der ich bin.

Ich bin kein Florian Illies, der die Provinz liebt, aber ich bin auch niemand, der die Provinz hasst. Anteilnahmslos schaue ich aus dem Fenster während der Bahnfahrt. Berg. Hügel. Schlossruine. Schön, aber auf Dauer uninteressant, wenn man es jeden Tag sieht, wenn man alltäglich aus einer mittelkleinen Großstadt in die Provinz pendelt.

Eine eigentlich sehr schöne Provinz.

Die schönsten Bahnstrecken zeigt die ARD heute ab 4 Uhr 20.





Mittwoch, 18. Juli 2007

Es ist doch wahrscheinlich immer so, wenn man alt wird oder (je nach Standpunkt und realistischer Selbsteinschätzung) alt geworden ist: Man wünscht sich die Kindheit zurück. Die Einfachheit des Lebens. Und dann denkt man: Wie kitschig! Früher war nicht alles besser. Nicht einmal in der Kindheit. Schon gar nicht die Kindheit. Verschön die Vergangenheit nicht. Die Vergangenheit war schlecht. Und auch das Fernsehprogramm war schlechter.

When Im lying in my bed at night
I dont wanna grow up
Nothing ever seems to turn out right
I dont wanna grow up

Heute geht es auf RTL um „Die beliebtesten Kinderserien“ (20 Uhr 15). „Doctor Snuggles“ zum Beispiel habe ich geliebt. „Die dreibeinigen Herrscher“. „Spaß am Dienstag“ mit Zini. Und, natürlich, auch die Sesamstraße. Außerdem wohnte ich im Zonenrandgebiet und konnte deswegen das DDR-Sandmännchen sehen.

I’d rather stay here in my room
Nothin‘ out there but sad and gloom
I don’t wanna live in a big old tomb on grand street
When I see the 5 o clock news
I don’t wanna grow up


Die Vergangenheit war schön. Und auch das Fernsehprogramm war besser. Manchmal wünschte ich wirklich, wieder ein Kind zu sein. Dann wäre die Welt vermutlich nicht ganz so schlecht und kompliziert. Aber auf Dauer nichts, aber auch gar nichts an der Quengelkasse in den Supermärkten bekommen? Auch nicht schön.





Lokales: Bauarbeiten, heiß und unerträglich

Mit einem Auto ohne Klimaanlage von Punkt A zu Punkt B zu fahren, ist bei dieser Hitze unerträglich – wie in der Sauna, nur weniger erholsam. Im Büro schwitzt der arme Angestellte nur so dahin, ebenfalls sehr unerträglich. Womöglich ist es nur noch in einem kühlen Kellerraum oder der Kühlwarenabteilung eines Supermarktes auszuhalten, ansonsten ist es überall viel zu hitzig. weiter