auftrag medien. alles inklusive.

von Till Frommann







Lokales: Welttag des Buches

Verwunderlich, dass so wenige Menschen in Bad Kreuznach lesen. Wir gehen durch die Innenstadt und finden niemanden, der mit einem Buch in der Hand in der Sonne sitzt. weiter





Samstag, 21. April 2007

Ich gebe zu, dass ich auf vielen Gebieten äußerst untalentiert bin. Man könnte mich in vielen Fällen und bei vielen Gelegenheiten als Versager bezeichnen, so hart das auch für mich klingen mag. Andererseits: Ist nicht jeder auf diversen Gebieten ein Versager? Trottelig bin ich hin und wieder auch.

Nun gut, genug der Selbsterniedrigung – andere Dinge kann ich andererseits nämlich richtig gut, und ich hoffe immer wieder, dass das alle minderwertig ausgeprägten Fähigkeiten einigermaßen ausgleicht.

Weil ich ganz und gar nicht gut singen kann, hatte ich meine Schwierigkeiten, Freunde von mir zu einem Karaokeabend zu überreden. Ich hatte so ungefähr zwei Jahre damit verbracht, sie zu fragen, ob sie denn nicht, und warum denn nicht, und es wäre doch ganz bestimmt ganz lustig, und Karaoke hätte doch auch viel damit zu tun, bewusst in der Öffentlichkeit zu scheitern. Aber es hatte keinen Sinn, und so übte ich ganz für mich allein immer und immer und immer wieder das Lied, mit dem ich meinen großen Auftritt haben wollte – nämlich “Bohemian Rhapsody” von Queen.

Durch Zufall hatte es sich dann doch ergeben, sich mit Freunden bei einem Karaokeabend der kritischen Masse auszusetzen. Zwei Lieder gesungen, beim ersten ausgebuht, beim zweiten überschwänglich gelobt worden. Ein gutes Ergebnis, fand ich.

Heute läuft wieder einmal “Deutschland sucht den Superstar”, eine der meistgesehenen Karaokesendungen des deutschen Fernsehens. Gut, das Niveau ist deutlich höher als in einer dieser üblichen Karaokekaschemmen. Aber eines ist dieser voyeuristische Kram in der Tat – nämlich das öffentliche Zurschaustellen vom Versagen. Und das sehen wir doch alle sehr gerne, nicht wahr?





Freitag, 20. April 2007

Das ZDF ist ein gutes Fernsehprogramm. Gute Informationssendungen, gute Dokumentarfilme, ein gutes Kinderprogramm und die Mainzelmännchen fallen mir spontan ein. Als erfolgreichste Unterhaltungssendung Europas bietet der Sender seinen Zuschauern “Wetten, dass …?” an.

Und mir? Eine Unterhaltungssendung? Eine, die nicht so schnarchig ist wie diese Thomas-Gottschalkse Schlaftablette mit garantierter Überziehung als Nebenwirkung? Gibt es, gibt es. Tatsächlich!

“KDD”, diese Krimiserie um einen fiktiven “Kriminaldauerdienst”, die heute um 21 Uhr 15 ihr Staffelende hat, ist großartig. Eine fortgeführte Handlung. Charaktere, die vielschichtig sind und von denen viele dieser Schichten nicht besonders sympathisch sind. Und eine harte, schonungslose Handlung, die man so überhaupt nicht im ZDF erwartet.

Staffelende? Staffelende. Na super. Alles verpasst. Ist aber alles nicht so schlimm: Die Serie bekommt eine zweite Staffel, außerdem kann man sich alle bisherigen Folgen gratis online auf zdf.de anschauen.

Und das sollte auch jeder tun. Die Sendung ist nämlich verdammtnochmal eine der besten deutschen Serien der vergangenen Jahre, ach, was sage ich – ich bin nun einmal vollkommen überzeugt von der Sendung und vollkommen subjektiv vereinnahmt von ihr – der letzten Jahrzehnte. Anschauen! Sofort! Alle Folgen hintereinander! Das ist ein Sehbefehl.





Lokales: Und noch einmal Feinstaub …

Ein bisschen kommt es einem wie Detektivarbeit vor, als wir im Eingangsbereich der Kreisverwaltung stehen. “Hier riecht es nach Rauch”, sagt Holger Nißen und schaltet sein Messgerät ein. Wenige Sekunden vergehen, dann das Ergebnis: Etwa 100 000 Partikel Feinstaub sind es dort pro Liter Luft. weiter





Donnerstag, 19. April 2007

Poker habe ich noch nie um Geld, Haus und Hof gespielt, was nicht nur daran liegt, dass ich kaum Geld, kein Haus und schon gar keinen Hof besitze. Meiner Großmutter habe ich zu ihrem Geburtstag Pokerchips und ein Kartenspiel geschenkt und (quasi als Event, wie es so schön auf neudeutsch heißt) passend dazu einen Pokerabend.

Anlass für das Geschenk war, dass meine Großmutter früher leidenschaftliche Pokerspielerin gewesen ist und auch heute noch auf DSF oder einem anderen Sportsender mit Begeisterung die Pokerübertragungen anschaut. Ich hatte mich bisher eigentlich immer darüber gewundert, ob es für diesen Sport, der doch eigentlich überhaupt keiner ist, überhaupt eine interessierte Zielgruppe gibt. Aber Poker ist anscheinend hoch im Trend. Onlinepoker. Pokern mit Freunden, Feinden, Bekannten und Arbeitskollegen. Und ob es immer noch diese geheimen und illegalen Pokertreffs in den Hinterzimmern verqualmter und versiffter Eckkneipen gibt?

Heute ab halb elf überträgt Pro Sieben zum vierten Mal “Die TV total Pokerstars.de-Nacht”. Keine einzige der vorigen Sendungen habe ich vollständig gesehen, immer habe ich hineingezappt, kurz zugeguckt und mich dann gefragt, wer dabei überhaupt zusieht. Ist das so spannend, irgendwelchen Menschen beim Pokern zuzusehen? Nö, dachte ich mir immer wieder. Ist es nicht.

Der Pokerabend mit meiner Oma steht leider immer noch aus, aber ich freue mich schon jetzt darauf. Im Fernsehen übertragen wird er Gott sei Dank nicht.





Mittwoch, 18. April 2007

Nebenbei hatte ich mir die Pilotfolge zu “Weeds” angesehen, dieser neuen Serie, die heute von 22 Uhr 10 an auf Pro Sieben läuft. Eine Mutter verkauft Drogen in einer Kleinstadt, um ihr Leben zu finanzieren. Nun ja, ich fand es nicht ganz so berauschend, was jedoch auch einfach nur daran gelegen haben mag, dass ich mich wieder einmal mit tausend anderen Dingen abgelenkt habe.

Habe vielleicht Zeitung gelesen.

Werde im Internet gesurft haben.

Vielleicht habe ich telefoniert?

Oder ich habe gedöst.

Wie auch immer: Vielleicht sollte ich der Serie noch einmal eine Chance geben. Vom Grundplot her klingt “Weeds” nämlich gar nicht so schlecht.

Die erste Folge hatte einen Marktanteil von zwölf Prozent in der Zielgruppe, eine Woche später waren es nur noch 10,6 Prozent. Und diese Woche? Werde wenigstens ich zuschauen – was jedoch die Einschaltquote nicht steigern wird, weil ich (leider, leider) kein Gerät der GfK mein Eigen nennen kann. Wäre aber schon sehr schön, wenn ich solch ein kleines Umfragegerät hätte. Vielleicht würde es dann aber doch auffallen, wenn ich 24 Stunden lang das “Deutsche Wetter Fernsehen” laufen lassen würde, nur um zu schauen, ob dieser Sender dadurch mehr Beachtung finden würde.

Ich interessiere mich nun einmal für Wetter, könnte ich den Meinungsforschern antworten, wenn sie einen Kontrollanruf vornehmen würden, um zu fragen, ob es sich bei meiner Programmauswahl nur um einen technischen Defekt handeln würde.





Dienstag, 17. April 2007

An manchen Tagen läuft wirklich nur Schrott im Fernsehen. Heute zum Beispiel: nur langweiliger Kram. Und wer hat Schuld? Ich kenne mich zwar nicht mit Fußball aus, aber ich schätze mal, dass es irgend etwas mit der Fußballübertragung um 20 Uhr 15 auf der ARD zu tun hat. Die anderen Sender haben anscheinend allesamt Angst vor diesem Ball, so wie ich früher Angst vor Bällen jeglicher Art hatte.

Okay, Sat 1 zeigt die eigenproduzierte Liebeskomödie “Liebe auf Kredit” in deutscher Erstausstrahlung, aber Herzschmerzkrams aus deutschen Landen zwingen mich, dieses Programm weiträumig zu umzappen.

Was bleibt? “Extreme Activity” auf Pro Sieben ist ganz amüsant, aber trotz Grimme-Preis nicht immer das, was ich ertragen kann – nach Feierabend ist mir dieser Kindergeburtstag nämlich meistens zu laut.

An solchen Tagen wünschte ich mir, mich für Tennis oder andere Ballsportarten wie heute nun also Fußball zu interessieren.

Das Spiel ist sicherlich nicht schwierig zu kapieren.
Ich wäre ganz bestimmt ein anderer als ich´s jetzt bin.
Es wäre unbedingt ein Leben mit mehr Sinn.

Es ist schon seltsam, dass ich jetzt so etwas von mir lasse,
Gerade weil ich doch schon immer alle Ballsportarten hasse.
Doch ich muss meine alte Meinung revidieren:
Ich wünschte ich würde mich für Tennis interessieren.

Es ist besser, vor dem Stumpfsinn zu kapitulieren.
Ich wünschte ich würde mich für Tennis interessieren.


Ach ja. Das waren noch Zeiten. Mit diesem Lied von Tocotronic habe ich mir meine Abiturszeit versüßt – vor allen Dingen das mit dem Stumpfsinn und dem Kapitulieren hat mich in der Lern- und Prüfungszeit immer wieder auf die Beine gebracht.